Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

Zusammenarbeit der Akademie-Elektrotechnik mit anderen Hochschulen

Eine Rufzeichenliste von 1926 (man bedenke, die allerersten Sendegenehmigungen wurden in Deutschland erst 1924 vergeben!) ist gut geeignet, einen Überblick zu Hochschulen zu erhalten, die die "Drahtlose Telegraphie" (und ggf. Telephonie) eventuell ebenfalls bereits praktisch betrieben.

 Rufzeichenliste, Stand Ende 1926      (PDF, 2 MB)

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Zur Bedeutung des Funks/Rundfunks

Die legendäre Rede von Albert Einstein zur Eröffnung der Funkausstellung 1930 in Berlin fasst die Bedeutung der Entwicklung des Funks/Rundfunks treffend zusammen - die technische wie die politische:

"Verehrte An- und Abwesende!

Wenn Ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.

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Denkt an Oersted, der zuerst die magnetische Wirkung elektrischer Ströme bemerkte, an Reis, der diese Wirkung zuerst benutzte, um auf elektromagnetischem Wege Schall zu erzeugen, an Bell, der unter Benutzung empfindlicher Kontakte mit seinem Mikrophon zuerst Schallschwingungen in variable elektrische Ströme verwandelte. Denkt auch an Maxwell, der die Existenz elektrischer Wellen auf mathematischem Wege aufzeigte, an Hertz, der sie zuerst mit Hilfe des Funkens erzeugte und nachwies. Gedenket besonders auch Liebens, der in der elektrischen Ventilröhre ein unvergleichliches Spürorgan für elektrische Schwingungen erdachte, das sich zugleich als ideal einfaches Instrument zur Erzeugung elektrischer Schwingungen herausstellte. Gedenket dankbar des Heeres namenloser Techniker, welche die Instrumente des Radio-Verkehres so vereinfachten und der Massenfabrikation anpassten, dass sie jedermann zugänglich geworden sind.

Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben, als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.

Denket auch daran, dass die Techniker es sind, die erst wahre Demokratie möglich machen. Denn sie erleichtern nicht nur des Menschen Tagewerk, sondern machen auch die Werke der feinsten Denker und Künstler, deren Genuss noch vor kurzem ein Privileg bevorzugter Klassen war, der Gesamtheit zugänglich und erwecken so die Völker aus schläfriger Stumpfheit.

Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen im Sinne der Völkerversöhnung. Bis auf unsere Tage lernten die Völker einander fast ausschließlich durch den verzerrenden Spiegel der eigenen Tagespresse kennen. Der Rundfunk zeigt sie einander in lebendigster Form und in der Hauptsache von der liebenswürdigen Seite. Er wird so dazu beitragen, das Gefühl gegenseitiger Fremdheit auszutilgen, das so leicht in Misstrauen und Feindseligkeit umschlägt.

Betrachtet in dieser Gesinnung die Ergebnisse des Schaffens, welche diese Ausstellung den staunenden Sinnen des Besuchers darbietet."

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Gewerbeakademie Chemnitz

In diversen Briefen vom Dr.-Ing. Kurt Heinrich wird von der Zusammenarbeit mit den "...Staatslehranstalten Chemnitz" gesprochen. Gemeint ist die Gewerbeakademie Chemnitz.

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Gegründet 1836 als Königliche Gewerbeschule, 1900 in „Gewerbeakademie“ und 1929 in „Staatliche Akademie für Technik“ umbenannt worden, gilt als Vorläufer der heutigen TU Chemnitz. Wie Wismar favorisierte diese Hochschule die Sonderstellung zwischen den Technischen Hochschulen und Fachschulen.

Heinrich hatte eine enge Bindung zum dortigen Leiter des Hochfrequenz-Laboratorium Prof. Bangert. In den Sommerferien organisierte sich Heinrich regelmäßig einen direkten fachlichen Austausch mit ihm sowie gemeinsame studentische Experimentalfunkversuche zur Funkausbreitung zwischen Wismar und Chemnitz. In der Chemnitzer Dokumentation zu "Amateurfunk in Chemnitz und Mitteldeutschland von den Anfängen bis 1945" von Steffen Hamperl liest sich das auf Seite 110 so:

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aus Chemnitzer Studie von Steffen Hamperl

Die hier rot gerahmten Passagen stammen aus dem Brief von Heinrich am 14. September 1926 an den Wismarer Akademie-Direktor Michenfelder, wo folgende Punkte angesprochen wurden:

  • Fa. Pöge stellt Material für das ET-Labor Wismar
  • Bericht zur Zusammenarbeit mit Staatslehranstalten Chemnitz (heutige TU)
  • Leiter des Hochfrequenz-Lab. Prof. Bangert, Versuche mit HWI
  • Vereinbarung fester Funkversuche Wismar-Chemnitz
  • Ankündigung Besuch Berliner Unternehmen (AEG, SSW, Telefunken)