Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

Wismars KW-Sender/ -Empfänger

Die in den zwanziger Jahren benutzte Kurzwellen-Technik in Wismar ist bislang fotografisch nur durch dieses eine Foto dokumentiert. Trotzdem gelang es nach Jahren über kleinste Puzzleteile dieses Bild detailreich zu vervollkommnen. Umfänglich auch mehr dazu auf der Seite "Experimentalfunkstation".

Kurzwellen Audion-Empfänger

Das Foto zur Funkstation zeigt auf dem linken Tisch die Empfangstechnik. Ganz links ein Trichterlautsprecher, rechts daneben zwei Empfangsgeräte.

Inwieweit zu diesem Zeitpunkt Eigenbauten zum Einsatz kamen, ist nicht bekannt. Der obere Empfänger ähnelt einem der ersten Radiogeräte von Siemens & Halske; wegen der aneinander verbundenen Bausteine auch Siemens „D-Zug“ genannt. Ein Geradeausempfänger, hier als 1-V-2 dargestellt. (siehe folgende Fotos)

Für September 1933 wird durch Dipl.-Ing. Stein (auf der QSL von D4ABK) allerdings  ein von ihnen genutzter 0-V-2 benannt.

Zum unteren Empfänger im großen Gehäuse liegen noch keine Erkenntnisse vor.

Der Stationstisch mit den KW-Empfängern. Darüber ein separater Antennenschalter.

Der Siemens "D-Zug"-Empfänger

Technik auf QSL-Karten dokumentiert

Zwei QSL-Karten (Funk-Bestätigungskarte) der Wismarer Akademie-Funkstation liegen vor. Die älteste von 1928 und die zweite von 1933. 

  

Der DFTV ruft 1927 zu einem speziellen Reichweitentest/-wettbewerb auf.
1926/ Telephonie zwischenzeitlich untersagt! Zunächst nur noch Telegraphie für λ< 100m.
 

Sende-Baugruppen, Bauelemente

Neben der gezeichneten Senderschaltung ist die QSL-Karte von 1928 mit einem Foto des Experimentalaufbaus der Sendebaugruppen versehen.  Danach ließen u.a. verwendeten die Senderöhren abgeleitet werden. (vgl. auch hier)

Senderschaltungen

Für Kurzwelle liegt die Schaltung von 1928 auf der historischen QSL-Karte vor.

 

In einem Artikel von Dr.-Ing. Kurt Heinrich in der Elektrotechnischen Zeitschrift (ETZ) wird diese für 44m noch einmal etwas anders dargestellt.

  

Auch für Untersuchungen "Über die Beeinflussung des menschlichen Organismus beim Arbeiten am Kurzwellensender" veröffentlichte Dr.-Ing. Heinrich 1929 in der ETZ auch eine Schaltung für den UKW-Bereich von 2-4m.

 

Sendröhren größter Leistung

Dr.-Ing. Heinrich hatte 1930 von seinem Industriepartner Telefunken eine besondere Senderöhre, eine RS 207, gesponsert zu bekommen. Eine luftgekühlte Senderöhre für 1500 Watt! Einmalig!

Auch wenn diese Röhre wohl nicht mehr zum Einsatz kam (mehr dazu),  war im September 1933 die Wismarer Kurzwellenstation auf dem 40m-Band nachweislich immerhin mit 300 Watt Input unterwegs. Zu dieser Zeit schon etwas besonderes.

Kurzwellensenderbau 1933 durch Assistent Wilke

In einem vom  Schreiben vom 22. März 1933  informierte die Akademieleitung dem Dozenten Anton Willert, dass der Assistent Karl Wilke zur forcierten Vollendung des Aufbaus des Kurzwellensenders aufgefordert wurde. (Seite 4)

KW-Empfänger-Eigenbau

In einem Brief des Dipl.- Ing. Joachim Stein (Wilkes unmittelbarer Vorgesetzter und Dr. Heinrichs Nachfolger) an den Wismarer Stadtdirektors Fust im September 1933 wird beim Aufbau des Empfängers fehlendes Engagement und nicht eingehaltene Absprachen seitens Ing. Wilke beklagt.

1933 war im Stationsbetrieb als D4ABK noch im September ein einfacher Geradeausempfänger in der Konstellation eines 0-V-2 benutzt worden.