Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

Studienfächer der ET und deren Inhalte

Beispiele zu einigen frühen ET-Fächern und deren Inhalte (damals Programme genannt):

mehr dazu mit vollständigem Studienplan...

Protokollierung der Übungen des Elektrischen Praktikums

Zur Protokollerstellung für die Übungen im "Elektrotechnischen Praktikum" waren als "Elektrotechnisches Institut" entsprechende Praktikums-Hefte gedruckt worden. Augenscheinlich ein Druckauftrag, der über  den Bürobedarf Otto Rechenberger jun. in Wismar (Krämerstr. 4, heute Reisebüro Karstadt) abgewickelt worden war.

 

vorgedruckte Protokoll-Hefte

Erstes Aninstitut für Forschung und Lehre in Wismar

Mit seiner Anstellung 1922 brachte Dr.-Ing. Kurt Heinrich sein in Chemnitz bis dahin privat betriebenes Elektrotechnisches Laboratorium mit ein, insbesondere ein Großteil seiner technischen Ausrüstung. Eine Aufstellung dazu im Brief von Heinrich an Wismarer Bildungsamt 1923 (Abb. links)

Es war quasi das erste An-Institut der Akademie, was Heinrich ermöglichte, auch Forschungsleistungen erbringen zu könnnen. Darüber und über das angebliche Verfolgen rein privater Interessen hatte sich Heinrich in späteren Jahren immer wieder zu rechtfertigen. So wie in dieser Stellungnahme Heinrichs am 29. Mai 1933 (rechte Abb.) in einem seiner Berufungspozesse gegen seine fristlose Entlassung von 1931.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Dr.-Ing. Kurt Heinrich veröffentlichte in den Jahren 1927-1931 mehrere  Artikel  in der "Elektrotechnische(n) Zeitschrift", dem Zentralblatt Elektrotechnik/ Organ der VDE.

In diesem Blatt stellten Forscher und Entwickler (wie Manfred von Ardenne) wie auch die Industrie ihre neuesten Produkte und Großanlagen vor. So auch der Funktechnik.

 

Heinrichs Forderungen an Unternehmen und die H.T.L.

Eine der sonst fachlichen Veröffentlichungen von Dr.-Ing. Kurt Heinrich in der ETZ befasste mit der laboratoriumstechnischen Ausbildung von Elektroingenieuren. Heinrich postulierte dazu Forderungen an die Unternehmen wie auch die höheren Technischen Lehranstalten (H.T.L.). Ein Beitrag, der in der Industrie mit Beifall und in den Hochschulen, einschließlich der eigenen Akademie, zu Diskussionen führte. (vollständig)

"Strahlenforschung"... in Wismar

In verschieden Dokumenten und Zusammenhängen wird immer wieder auf die Leistungen Heinrichs in der "Strahlenforschung" verwiesen. Zuletzt in seinem Arbeitszeugnis von 1934. Was damit gemeint war, ist nicht eindeutig zu klären. Klar ist aber, Heinrich war an unterschiedlichsten Experimenten zu "Strahlen" im weitesten Sinne tätig. 

<> Kurzwellen/ Elektromedizin

Untersuchungen zur Beeinflussung des menschlichen Organismus durch KW-Hochfrequenz wurden von Heinrich 1929 publiziert. (vom KW- bis UKW-Bereich bis 2m, einschließlich kleinerer Tierversuche)

Zum gezielten Einwirken von Hochfrequenz in der Elektromedizin arbeitete Heinrich mit Prof. Bangert/ Chemnitz zusammen. Bangert beschäftigte sich mit der "... physikalischen und technischen Seite der Elektromedizin, v.a. mit der Anwendung der Röntgenstrahlen in der Diagnostik und Therapie sowie mit der Lichttherapie und dem Gebiet der Hochfrequenzströme."

<> Schwarzstrahlen-Forschung Heinrichs

In verschieden Dokumenten und Zusammenhängen wird immer wieder auf die Leistungen Heinrichs in der "Strahlenforschung" verwiesen. Dabei handelt es sich um Experimente im Zusammenhang mit dem Planckschen Strahlungsgesetz. Heinrich betrieb seine sog. Schwarzstrahlen-Forschung im UKW-Bereich, wie seine Bemerkung in der Gerichtsakte von 1932 bzw. das Arbeitszeugnis von 1934 belegt:

      

Ergänzend dazu siehe auch "Schwarze Körper"(1). Der in Gera geborene Physiker Otto Lummer(2) arbeitete mit dem Emil Liebenthal zusammen. Dieser war der Onkel (!) von Heinrichs Techniker, dem Wismarer Ingenieur Emil Liebenthal . Dieser forschte an der Schwarzkörperstrahlung und stellte den ersten Schwarzkörper her. Der Versuch, die Schwarzkörperstrahlung theoretisch zu beschreiben, wird als Geburtsstunde der Quantenphysik bezeichnet.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Körper   [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Lummer

Der Versuch, die Schwarzkörperstrahlung theoretisch zu beschreiben, hat wesentlich zur Geburt der Quantenphysik beigetragen.

<> Röntgenstrahlen

Untersuchung auftretender Röntgenstrahlen in Elektronenröhren (das Vorhandensein einer Röntgenanlage im Labor mindestens seit ca. 1929 gilt als gesichert)

<> Fernsehversuche

Das Fernsehen der ersten Generation (Mechanisches Fernsehen) lässt sich aufgrund der Schmalbandigkeit sogar auf Langwelle übertragen. Die Kurzwelle bot die Chance großer Reichweite bei geringer Sendeleistung! Genau das weckte Heinrichs Interesse. Entgegen der übliche Sichtbarmachung über Prismen, experimentierte Heinrich mit von Osram gefertigten speziellen Glimmlampen, die zu einem punktförmigen Bildaufbau führten. (mehr in Fernsehversuche)

Prof. Dr. phil. nat. Abraham Robert Esau/ Jena

Prof. Dr. phil. nat. Abraham Robert Esau war in Jena ebenfalls engagierter Funkamateur (EK4AAL), den Dr.-Ing. Heinrich in dessen Funktion 1925 als Präsident des Deutschen Funktechnischen Verbandes e. V. (DFTV) kennenlernte. Gleichzeitig wurde er an die Universität Jena zum zunächst außerordentlichen Professor für "Technische Physik" berufen und zum Leiter des Technisch-Physikalischen Instituts ernannt. Vor dieser Zeit war er bei Telefunken Spezialist für Großfunkanlagen.

  

                     

Nach dem Ersten Weltkrieg befasste sich Esau mit Fragen des Überseeempfangs und entwickelte eine Doppelrahmenempfangsanlage, die in Geltow bei Potsdam für den drahtlosen Überseeverkehr gebaut wurde. (siehe auch Rahmenantenne)

Professor Esau war sehr vielseitig engagiert (siehe hier). Wie auch Dr. Kurt Heinrich beschäftigte er sich seit 1928 mit der Möglichkeiten, Kurzwellen in der Medizin einzusetzen. Gemeinsam mit Erwin Schliephake entwickelte Esau die Kurzwellen-Therapie (Diathermie) zur Therapierung von Krebspatienten). 1930 begann er mit Untersuchungen über die Einsatzmöglichkeiten von Ultrakurzwellen. 

Prof. Esau erfreute sich sowohl bei den Dozenten als auch bei der Studentenschaft großer Beliebtheit. Aber politisch war er nicht unumstritten. Von März 1932 bis März 1935 war Esau Rektor der Universität Jena. Am 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein. Von November 1937 bis März 1939 übernahm Esau erneut das Amt des Rektors der Universität Jena.

Ab 1939 Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) in Berlin und Professor für Militärtechnik an der TH Berlin. Er wurde Bevollmächtigter des Reichsmarschalls zu im Bereich der Kernspaltung und die Erschließung des Zentimeterwellenbereichs.

Im Gegensatz zu Prof. Bangert, dem allein durch seine NSDAP-Angehörigkeit nach dem II. Weltkrieg im Osten Deutschlands keine Chance mehr zur Weiterbeschäftigung eingeräumt wurde, war Esau 1948 quasi entnazifiziert worden und konnte seine höchst interessante wie erfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn fortsetzen.

Der "getastete" Wünschelrutengänger

Im Umfeld Heinrichs zu Untersuchungen zur Beeinflussung des menschlichen Organismus durch KW-Hochfrequenz entstand diese von ihm kommunizierte kuriose Beobachtung, die Heinrich im Laboratorium erlebt und in der "Elektrotechnischen Zeitschrift" 1929 kommuniziert hat. Wobei...

Für mich ein Beweis dafür, dass die "Alu-Helme" nicht alles Spinner sein müssen. Um die Grenzwerte für zulässige Hochfrequenzbelastungen für Träger von Herzschrittmachern (HSM) wurde lange gerungen. Das ist aber je nach Stand der Technik ein technisches Problem des HSM. Aber der Mensch selbst reagiert unterschiedlich sensibel auf äußere Reize an. So kann jemand durchaus unterirdische Wasseradern spüren und ist vielleicht auch besonders empfänglich für HF-strahlende Antennen. Andere wie ich reagieren sehr empfindlich auf Infraschall...

 

Ein Wünschelrutengänger unter der Antenne