Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

Versuche mit einer Rahmenantenne

Im Elektrotechnischen Labor war eine Rahmenantenne in etwa mittig an der Labordecke hängend montiert und (natürlich) drehbar gelagert.

 

Rahmenantenne im praktischen Funkbetrieb

Die Laborfotos zeigen deutlich eine Rahmenantenne – befestigt (drehbar) an der Decke. Für den praktischen Funkbetrieb dürfte diese (magnetische) Antenne als reine Empfangsantenne genutzt worden sein. Als gut handelbare Richtantenne, war sie gleichzeitig gut geeignet, richtungsabhängig Störsignale auszublenden.

Tragbare Verwendung

Etwa 1923/24 kam dieser Polizei-Funkempfänger zum Einsatz. Ein Art Polizei-Rundfunkgerät, beschrieben im "Das Neue Universum" von 1924. Da halbwegs wellenmäßig angepasste Drahtantennen bei den verwendeten Frequenzen im unteren KW-Bereich für ein tragbares Gerät indiskutabel waren, lag die Lösung in einer Rahmenantenne.

Polizeiradioempfänger (Typenbezeichnung U45-300?)

  

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Die Rahmenantenne macht es möglich, zuverlässige tragbare Empfänger herzustellen. Unsere Abbildung veranschaulicht einen Polizeiempfänger, der zurzeit erprobt wird. Sein Träger soll radiotelephonische Hilferufe aufnehmen und an einen zweiten Beamten weitergeben. Ohne weiteres ist diese Benutzung möglich für die Weitergabe von Anrufen dienstlicher Sendestellen; der Anruf von privaten Stellen kommt ja vorläufig nicht in Frage. Für die jetzigen Verhältnisse scheint eine Benutzung des Rundfunkdienstes zweckmäßiger, die man in England mit einem recht gelungenen Versuche angefangen hat: Den Rundfunkteilnehmern wurde von ihren Sendestationen die Einzelheiten eines Raubüberfalls mitgeteilt. Die Nummer des Autos, in dem ein Teil der Verbrecher geflohen war, sowie die genaue Beschreibung zweier weiterer Kraftwagen, die von den anderen Verbrechern zur Flucht genutzt worden waren wurden angegeben. Nach einer Viertelstunde schon was das eine Auto angehalten, nach vier Stunden konnte den Rundfunkteilnehmern die Festnahme der übrigen Verbrecher gemeldet werden. Wenn es sich in diesem Fall zunächst nur um ein fingiertes Verbrechen, um einen Versuch handelte, so leuchtet doch ein, welch ein gewaltiges Hilfsmittel der Rundfunk für die Polizei werden kann.“

Quelle: "Das Neue Universum" Heft 45/1924, S.299

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Einsatz bei Großfunkanlagen

Der Einsatz von Rahmenantennen wurde frühzeitig publiziert. Oft nur als Ersatzantenne wie auch für Fälle, wo der Aufbau einer Freiantenne nicht erlaubt wurde oder wo man bewusst auf Erde und Blitzschutz verzichten wollte.

Interessant dann doch die gute Richtwirkung, was auch die Möglichkeit einschloss, Störer auszublenden. „Die Strahlungsfähigkeit der Rahmenantenne ist sehr gering. ...Die Gefahr…mit Rückkopplung… benachbarte Stationen (zu) stören, (ist) stark herabgemindert…(wichtig) solange es noch ungeschickte Amateure gibt.“[1] Aber auch, „…dass die Großfunkstellen ihren Empfangsverkehr durchweg auf Rahmen abwickeln (so die Empfangsstelle Geltow bei Potsdam der Transradio A.-G., die vier Rahmen in einem Raume von Bukarest, Rom, Moskau, Barcelona und mit einem fünften, gesondert aufgestellten Rahmen von Neuyork empfängt), sollte dem fortschrittlichen Amateur zu denken geben… man kann im selben Zimmer mit mehreren auf verschiedene Wellen abgestimmte und nach verschiedenen Richtungen orientierten Rahmen ohne gegenseitige Beeinflussung empfangen.“„Für den Amateur kommen Rahmen von 1-2 m Durchmesser in Betracht, die am besten… sich um ihre senkrecht stehende Achse drehen…“

Foto: …Rahmenempfänger…/Transradio in Geltow


[1] „Der praktische Radioamateur“, Hanns Günther und Dr. Franz Fuchs, Stuttgart, Franckh‘sche Verlags. 1924